Historischer Verein Memmingen

Geschichtsforschung - Heimatpflege - Denkmalschutz

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Tag des offenen Denkmals 2007 (9. Sept.)

Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten

Sakralbauten – zumeist bedeutende Architekturen in exponierter Lage – sind unübersehbare Landmarken, einprägsame Punkte in den Silhouetten von Dörfern und Städten. Als Denkmale zeugen sie von der Jahrhunderte alten Geschichte religiösen Lebens in unserem Land. Die geschichtlich gewachsene Bauform und Innenausstattung oder der Klang historischer Glocken und Denkmalorgeln symbolisieren, auf welche Weise Menschen Gott verehren. Jede Epoche und jede Religion hat ihre eigenen typischen Gottesdiensträume und Orte geistlicher Einkehr geschaffen: Kirchen, Synagogen, Moscheen, Klöster, Kapellen und Friedhöfe, aber auch zahlreiche sakrale Kleindenkmale wie Bildstöcke, Wegekreuze, Kalvarienberge oder Kreuzwegstationen.

Programm in Memmingen

In Memmingen begegnen dem Besucher spätmittelalterliche Schnitz- und Freskokunst ebenso wie moderne Architektur des 20. Jahrhunderts. Die Memminger Kirchengemeinden St. Johann, St. Martin, Unser Frauen und St. Josef laden alle Interessierten herzlich zum Besuch ihrer Kirchen ein. Schon seit vielen Jahren übernimmt der Historische Verein Memmingen (bis 1. März 2007 Heimatpflege Memmingen e.V.) die Koordination der Veranstaltungen in Memmingen. Die katholischen und evang.-luth. Kirchengemeinden, der Förderverein Alter Friedhof Memmingen und der Historische Verein Memmingen präsentieren dem interessierten Publikum zum Tag des Offenen Denkmals nachfolgendes Programm.

Skulptur eines Propheten im Chorgestühl

500 Jahre Spätgotisches Chorgestühl
KIRCHE SANKT MARTIN (Martin-Luther-Platz)

  • 13:00 / 14:30 Uhr Kunsthistorische Führungen
    (Sabine Rogg / Historischer Verein Memmingen e.V.)
  • 16:00 Uhr „Was das Chorgestühl vom Glauben erzählt“
    (Dekan Kurt  Kräß / Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Martin)
  • Zwischen 1501 und 1507 entstand eines der großartigsten und ausdruckstärksten Chorgestühle im süddeutschen Raum, das Chorgestühl in der Pfarrkirche St. Martin zu Memmingen. Die Reichsstadt Memmingen befand sich damals auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte; dies zeigte sich gerade auch in einer regen Bautätigkeit.  Von geistlichen und weltlichen Persönlichkeiten beauftragt, schufen Künstler (darunter Hans Herlin und seine Gesellen Hans Thoman und Christoph Scheller) im Hochchor der Memminger Hauptkirche St. Martin ein aus Eichenholz geschnitztes Gestühl mit insgesamt 63 Sitzen. Unterbrochen von zwei Portalen finden wir hier 66 Plastiken, aufgeteilt in zwei Zyklen (Sibyllen und Propheten des Alten Testaments, Jesus Christus inmitten der Apostel des Neuen Testaments). Besonders ausdrucksstark wirken an den vorderen Stuhlwangen die Bildnisse von Bürgerinnen und Bürgern, Geistlichen und Kirchendienern.
Tabernakel in St. Johann

Von einer Kloster- zur Pfarrkirche
KIRCHE SANKT JOHANN (Marktplatz)

  • 14:00 Uhr  Führung
    (Gottfried Mrzyk / Katholische Pfarrei St. Johann)
  • Das 1806 säkularisierte Kloster der Augustinereremiten unweit des Marktplatzes wird zu Beginn des 19. Jahrhunderts als enges und düsteres Gebäude geschildert. Die ehemalige Klosterkirche – im 15. Jahrhundert errichtet und nun als Stall genutzt – wurde jedoch bereits 1807 zur kath. Pfarrkirche St. Maximilian erhoben. Damit zog neues Leben in Kirche und Kloster (Pfarrhof) ein. Wegen Baufälligkeit musste 1863 die Kirche geschlossen werden. Es folgte eine Renovierung der Kirche im neugotischen Stil durch die kgl. Baubehörde mit prächtigen Fresken von Ferdinand Wagner im sog. Münchner Ludwigstil. Vom originalen gotischen Bau blieben lediglich die Umfassungsmauern und der Kern der Langhausarkaden erhalten; die Gewölbe der Seitenschiffe wurden abgeschlagen und wie im Mittelschiff Flachdecken eingezogen. Große bauliche Schäden veranlassten 1961-1964 eine umfassende, nicht unumstrittene Neugestaltung der Kirche nach Plänen des Ottobeurer Willy Hornung und im Sinne der modernen Liturgieerneuerung.
Fresko des Hl. Simon in der Frauenkirche

Apostel-, Marienzyklus und Chorraum
KIRCHE UNSER FRAUEN (Frauenkirchplatz)

  • 15:00 / 16:30 Uhr Kunsthistorische Führungen
    (Werner Bachmayer, Dr. Christa  Koepff, Uli Braun / Förderverein Alter Friedhof Memmingen e.V.)
  • Wie die Martinskirche wurde auch Unser Frauen im Mittelalter erbaut und Ende des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil neu ausgestaltet, um als Bürgerkirche den Gläubigen das Evangelium näher zu bringen. Während in St. Martin in Eichenholz geschnitzte Propheten, Sibyllen und Apostel Weissagungen und das Glaubensbekenntnis verkünden, veranschaulichen in der Frauenkirche Fresken wichtige biblische Themen. So verkünden im Hauptschiff zwölf überlebensgroße Apostel das apostolische Glaubensbekenntnis; die einzelnen Glaubenssätze in oberdeutscher Mundart sind auf Spruchbändern zu lesen. Dem Glaubensbekenntnis sind Sprüche aus dem Alten und Neuen Testament zur Seite gestellt, dargebracht von Engeln und Propheten in den Innenwänden der Arkadenbögen. An der Turmwand ist ein Freskenzyklus dem Marienleben gewidmet. Im Laufe der Reformation wurden diese Fresken übertüncht und erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder freigelegt und teilweise restauriert.
Kinderlehrkirche am Martin-Luther-Platz

Von einer Kloster- zur Predigtkirche
KINDERLEHRKIRCHE (Martin-Luther-Platz)

  • 15:30 Uhr Kunsthistorische Führung
    (Sabine Streck / Historischer Verein Memmingen e.V.)
  • 17:00 Uhr „Was die Kinderlehrkirche vom Glauben erzählt“
    (Dekan Kurt Kräß / Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Martin)
  • Zwischen St. Martin und dem Antonierhaus steht die ehem. Antoniterklosterkirche, die seit dem 18. Jahrhundert Kinderlehrkirche genannt wird.. Präzeptor Johann Barrucher ließ die Kirche 1391 errichten; seine Nachfolger Petrus Mitte de Caprariis und Sebastian de Bonis erweiterten sie um Hochchor und Seitenschiffe. Besondere Beachtung verdienen die Fresken (Kreuzigungsszene an der Außenwand mit Tiersegnung und Versuchung des Hl. Antonius, Schutzmantelmadonna im Inneren, beide von Bernhard Strigel). Altar und Taufstein sind Werke der Kunstschreinerei Leonhard Vogt aus dem Jahre 1887.
St. Josefskirche Hochchor

Architektur des 20. Jahrhunderts
KIRCHE SANKT JOSEF (St. Josefskirchplatz)

  • 17:00 Uhr Führung
    (Pfarrer Otto Lutz, Roland Miller / Katholische Pfarrei St. Josef)
  • Die Stadtpfarrkirche St. Josef zählt zu den großen Kirchenbauten von Prof. Michael Kurz. Sie entstand 1927/29 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas Wechs. Jeder dieser Künstler ist so eigenständig, dass man ihre Formsprache erkennt: Auf Kurz gehen zurück: die monumentale Außenerscheinung, die fest im Gesamtbild der Stadt steht, die dreieckigen Vorbauten an den Portalen und die Chor-Erker, außerdem die abgestufte Leibung des Westportals und die Gestaltung des Baldachin-Hochaltars. Charakteristisch für Wechs ist die ausdrucksstarke Aufgliederung der schief verlaufenden Betonpfeiler im Innern. Mit seiner Außenerscheinung tritt eine neue Fassadengestaltung in der modernen Kunst auf, wodurch die Stadtpfarrkirche Sankt Josef zu einem bedeutenden Kunstwerk moderner Architektur wurde. Die Chorbemalung schuf der Münchner Professor Albert Burkart im Jahre 1943. Eine umfassende Innensanierung erfolgte zwischen 1978 und 1980 mit der Neugestaltung der Altarinsel und einer Marienkapelle neben dem Haupteingang und gegenüber der beeindruckenden Kriegergedächtniskapelle (aus der Erbauungszeit der Kirche).

Programm zum Download

Bilanz

Der Tag des Offenen Denkmals stieß in Memmingen auf ein sehr großes Echo. Zahlreiche Besucher (fast immer mehr, oft deutlich mehr als 100 Personen pro Führung!) informierten sich über Bau- und Kunstgeschichte der Kirchen sowie über theologische und liturgische Hintergründe von Kirchenbau und Kircheninventar. Allen Besucher, Organisatoren und Mitwirkenden ein herzliches Dankeschön!