Historischer Verein Memmingen

Geschichtsforschung - Heimatpflege - Denkmalschutz

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Denkmalschutz in Memmingen

1899 erschien das erste Heft der Zeitschrift „Die Denkmalpflege“, herausgegeben vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Im Leitartikel ist nachzulesen (hier in Auszügen): 

„Ueber den Wert Geschichtskunde haben, so lange Culturvölker bestehen, niemals Zweifel geherrscht. [.aber..] gegenüber einer der werthvollsten Arten von Hilfsmitteln der Geschichtsforschung, gegenüber den auf uns gekommenen steinernen Urkunden, den Baudenkmälern und ihrem Zubehör, erhält sich in breiten Schichten der Bevölkerung eine Gleichgültigkeit oder Blindheit, die manchmal irre werden läßt an der Culturhöhe, die unsere Zeit so gern für sich in Anspruch nimmt. Im „Verkehrsinteresse“ werden Mauern und Stadtthore, werden öffentliche und Privatgebäude aus früheren Jahrhunderten dem Untergang geweiht. [...]“.

Dass die Verfasser des Leitartikels im Denkmalschutz jedoch keineswegs einen „Gegensatz zu den auf die Fortentwicklung der Kunstzweige aller Art gerichteten neuzeitlichen Bestrebungen“ sehen wollen, machten sie dadurch deutlich, dass Sie aus dem Stammbuch des Lübecker Schifferhauses zitierten, wo sich folgender Vers des 1884 gestorbenen Dichters Emanuel Geibel findet:

Am guten Alten
In Treuen halten,
Am kräftigen Neuen
Sich stärken und freuen,
Wird niemand gereuen.

Mit diesem Vers beschloss fünf Jahre später – am 16. Januar 1904 – auch der Vorsitzende des Memminger Altertumsvereins und Gymnasiallehrer Dr. Julius Miedel einen Vortrag über „Denkmalpflege in Memmingen“. Im Bewusstsein, dass sich das „kräftige Neue“ von allein „Bahn brechen werde“, sorgte er sich vor allem um das „gute Alte“  und setzte sich dementsprechend kritisch mit den Veränderungen des Memminger Altstadtbildes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auseinander. Das Motto des oben zitierten Verses steht am Beginn des Engagements des Vereins und seiner Mitglieder um den Erhalt von Denkmälern in Stadt und Land. Im Rückblick müssen allerdoings Misserfolge ebenso wie Erfolge im Bemühen um die Bewahrung des baulichen Erbes konstatiert werden.